... am Pfingstfest

Johannes mit Maria Colo blue
Johannes und die Braut des Geistes

Bevor sie einige Zeit nach der Himmelfahrt Jesu nach Ephesus kamen, blieben Maria und Johannes mit den anderen Aposteln bis zum Pfingsttag in Jerusalem. In der Apostelgeschichte (Apg 2,1-11) lesen wir: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“
Die Apostel lernen sozusagen den neuen Beistand, den Heiligen Geist, in seiner wundervollen Wirkkraft kennen. Maria aber war der Heilige Geist längst und zutiefst vertraut. Sie kannte seine göttlich kreative Macht. Sie war in voller Begeisterung der Mittelpunkt im Feuer der Liebe. Sie war das Herzstück von Pfingsten, das Mutterherz der Kirche.

So eröffnet der Heilige Geist dem Johannes auch das Geheimnis jener Frau, die Jesus  selbst ihm ans Herz gelegt hat. Weil Maria aufs innigste mit dem Heiligen Geist verbunden ist, weist sie auch seine Wesenszüge auf.
Das Wesen des Heiligen Geistes ist Liebe, die sich in der Liebe der Mutter widerspiegelt. – Das ist nicht mehr die verborgene, die demütige und schauende Liebe von Nazareth. Sie erlebt den Heilige Geist in der Mitte der Betenden jetzt nicht mehr wie sanftes Säuseln (vgl.
Gottesoffenbarung am Berg Horeb) und auch nicht mehr wie den zarten Windhauch bei der Verkündigung des Herrn.
Das erste Pfingstfest macht den Heiligen Geist akustisch und optisch für alle Anwesenden erfahrbar, und Maria erlebt das in ihrer einzigartigen und einmaligen Offenheit für den Geist. Keine Sünde ist in ihr, die auch nur im Geringsten dem Geist im Wege stehenn könnte. Der Hl. Geist hat freien und vollen Zugang zu ihrem ganzen Dasein. Sie allein ist es, die sich dem Feuersturm der lebendigen Begeisterung voll empfänglich überlässt und die durch ihr erfülltes Dasein alle mitreißt und ermutigt, jetzt anzunehmen, was der Geist schenken will: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Mäßigung, Enthaltsamkeit und Reinheit.
So erhalten die Jünger an Pfingsten, von Maria darauf vorbereitet und dafür geöffnet, die Geisttaufe in Sturm und Feuer. Der Heilige Geist entfacht und treibt von hier aus ein Lauffeuer durch die Welt, das nie mehr erlöschen wird. Und er bedient sich dazu aller, die für ihn offen sind und sich ihm überlassen. 

Johannes lernt zusammen mit den anderen Jüngern von Maria, welch erleuchtendes, erhellendes, reinigendes, wärmendes und belebendes Feuer der Hl. Geist ihnen ins Herz einsenkt, damit sie es in die Welt tragen. Das gilt es zu bewahren und zu schützen, und wenn es klein wird und schwach, es wieder in den Atem des Geistes zu halten, dass er es neu entfache.

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