6. Station - Die Mutter begegnet ihrem Sohn

ephesus kreuzweg
Maria mit Jesus im Lied vereint

V: Heilige Maria, Mutter Gottes, um uns zu erlösen, hat dein Sohn schmerzliche Verlassenheit ausgehalten.

A: Unter der unzählbaren Schar der Schaulustigen geht er einsam seinen Weg.

V: Dankbar rufen wir deinem Sohne zu:

V: Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich,

A: denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.

V: Das Kreuz, das du auf dich genommen,

A: hat Mutterliebe mitgetragen.

Das Leiden Jesus

L 1: Jesus wankt durch die Straßen Jerusalems. Sein Schmerz nimmt zu. Auf steinigem Boden quält er sich hinauf in Richtung Schädelhöhe, geschlagen und getrieben, gestoßen und gezogen. Immer schwerer liegt das Kreuzbündel auf seinen Schultern. Seine Kräfte schwinden, er fällt auf die Knie, so als suche er betend Hilfe. Er erhebt seine Hand, dass ihm einer aufhelfe – jedoch vergebens! – Statt die Hände zu reichen, ballen die Henkersknechte ihre Fäuste noch härter und treiben ihn weiter. Sie haben Angst, er könnte ihnen unterwegs wegsterben. Und dann käme das unheilige Spektakel nicht an sein befohlenes Ende. Das ekelhafte Getöse und blutrünstige Geschrei nimmt zu. Der Blutrausch ist dem Wahnsinn nah. Die ganze Stadt benimmt sich wie verrückt! –
Während aber die Welt um ihn herum tobt, ist es in Jesus einsam still. Er sehnt sich nach Hilfe, die ihm Kraft gibt, das Ziel schnell zu erreichen. Jesus ist auf sich allein gestellt. Alle Freunde sind verschwunden – davongelaufen, abgehalten, eingeschüchtert, vertrieben.

Liedruf: Misericordias Domini

Der Barmherzigkeit Gottes werde ich ewig singen.

Das Mitleiden der Gottesmutter - nach Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick

L 2: Die Mutter greift ein. Während Jesus mit dem Kreuz kämpft und seine Hand nach Hilfe ausstreckt, kämpft sich seine Mutter durch die Menge und streckt ihm ihre offenen Arme entgegen. Ihre Liebe sucht im Getümmel zielstrebig nach Jesus. Die Heuchler und
bezahlten Knechte blendet sie aus, erhobene Peitschen und spöttischer Hohn finden bei ihr jetzt keine Beachtung mehr. Ekelhafte Scheinheiligkeiten übersieht sie. Sie geht aufs Ganze! – Mit zitternden Händen ringt sie sich durch, bis zur großen Begegnung zwischen Mutter und Sohn. Ihre rotgeweinten Augen erblicken unter dem verwirrten Dornengeflecht seiner Krone seine blutunterlaufenen Augen. Und Jesus lässt sich ein zweites Mal fallen. Diesmal streckt er sich aus nach seiner Mutter. Und sie sinkt zu ihm in die Knie, wohl selbst der Ohnmacht nahe. Maria umarmt Jesus. Auf den Knien liegend halten sie sich gegenseitig fest. Es bleibt nicht viel Zeit, bis die Umbarmherzigkeit der Soldaten wieder eingreift. Doch in dieser kurzen Zeit des Einsseins sprechen zwei Herzen miteinander, alles, was in ungebrochener Liebe gesagt sein soll: “Mein Sohn!” – “Meine Mutter!” – Bald
schon wird Jesus diese Worte in ähnlicher Weise wiederholen.

Stabat Mater dolorosa

Lied nach der Melodie: Christi Mutter stand mit Schmerzen

Gebet

V: Bitte für uns, Heilige Gottesmutter,

A: dass wir würdig werden der Verheißungen Christi!

V: Erhabene Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels, du Hilfe der Christen!

V: Wir denken an unsere Brüder und Schwestern in aller Welt, die sich in ihrer Verlorenheit und ihrem Alleinsein nach uns sehnen. Sie wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass unser Reden von Brüdern und Schwestern doch ernst gemeint ist. Sie bitten uns um Ansehen, das wir ihnen durch unsere mitleidende Verbundenheit und unsere tätige Liebe schenken können. Sie wollen sich in erlebtem Hass und lebensbedrohlichen Bedrängnissen auf unsere tragende Liebe verlassen. Sie wollen glauben, dass jedes Gebet uns vereint und wundervoll beschenkt. Hilf uns, du Mutter der Liebe, dass wir für alle Einsamen und Verlassenen verlässliche Brüder und Schwestern im Glauben bleiben oder werden.

Confitemini Domino (dt: Bekennt: Der Herr ist gut!)
Abschluss

V: Die Liebe freut sich nicht über das Unrecht.

A: Sie sucht nach der Wahrheit.

V: Die Liebe hält allem stand.

A: Die Liebe hört niemals auf!

V: Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,

A: erbarme dich unser.

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