2. Station - Die Nacht Jesu im Gefängnis
Maria mit Jesus im Kerker
V: Heilige Maria, Mutter Gottes, um uns zu erlösen, hat dein Sohn die Nacht der Gefangenschaft im Kerker durchgestanden.
A: In Ketten gelegt, hat er die Fesseln der Sünde an sich genommen.
V: Dankbar rufen wir deinem Sohne zu:
V: Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich,
A: denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
V: Das Kreuz, das du auf dich genommen,
A: hat Mutterliebe mitgetragen.
Das Leiden Jesus
L 1: In der Nacht voller Qual und Versuchung, voller Enttäuschung und Verrat zerrt man Jesus ins Gefängnis. Dem Ansehen der Menschen hat man ihn entrissen. Mit niederen Beweggründen hat man ihn aus dem Blickfeld der Welt verschwinden lassen. Man hat ihn
erniedrigt, hinuntergestoßen in die Abgründe Jerusalems. Seine Menschenfreundlichkeit hat man eingesperrt in die abgründigen Kerker der Stadt, den Tiefpunkt der Abscheulichkeiten am Höhepunkt der Liebe Gottes. Den Allmächtigen will man ohnmächtig machen. Das Licht der Welt stößt man in die Nacht der Unterwelt. Man legt ihn in Ketten, um seine Liebe zu den Menschen zu fesseln.
Liedruf: Misericordias Domini
Der Barmherzigkeit Gottes werde ich ewig singen.
Das Mitleiden der Gottesmutter - nach Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick
L 2: Maria folgt Jesus in die Nacht. Ihre Blicke lassen ihn nicht los.
Sein zunehmendes Leid zieht sie an. Sie will dieses Leiden lindern; sie trägt es im Herzen mit. Unbeschreiblich ist das Unrecht. Maria bringt kein Wort mehr über ihre Lippen. Sie ist sprachlos. Stumm vor Schmerz muss sie mit ansehen, welche Freude die Diener der
Nacht an der Verhöhnung und Entwürdigung ihres Sohnes haben.
Es wird für jeden und jede gefährlich, die jetzt offen zu Jesus stehen. Wider Willen muss sich auch Maria den aufbrechenden Tumulten entziehen. Und doch geht sie schmerzerfüllt und innerlich vom Leid zerrissen, ungesehen von Haus zu Haus. Sie bleibt hinter den Kulissen, aber ihren Jesus verliert sie nicht aus dem Blick. Ihre Liebe trägt ihn. Sie will ihm tröstend nah bleiben, auch als man ihn wegsperrt. Das Mutterherz findet ihn immer und
überall. Auch als er in Ketten gelegt im Kerker unter den Straßen Jerusalems hängt, überwindet ihre mitleidende Liebe alle Mauern der Trennung. Mögen auch ihre Augen versagen, mögen ihre Ohren wie taub sein und ihre Zunge wie gelähmt, ihre Liebe findet
ihn. Ihr Herz ruft nach ihm. Sie wissen beide, dass sie sich nie allein lassen würden. Ihre Liebe hat Tiefgang. Das Mutterherz spricht mit Jesu Herz, es tröstet, es gibt Halt, es leidet mit. Wo Herz zu Herz spricht, muss die Lüge ohnmächtig schweigen, und die Felsen müssen erschaudern.
Stabat Mater dolorosa
Lied nach der Melodie: Christi Mutter stand mit Schmerzen
Gebet
V: Bitte für uns, Heilige Gottesmutter,
A: dass wir würdig werden der Verheißungen Christi!
V: Erhabene Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels, du Hilfe der Christen!
Wir denken an unsere Brüder und Schwestern in aller Welt, die in Gefängnisse und Kerker geworfen und in ihnen grausam gefoltert werden, weil sie deinen Sohn nicht verleugnen. Vom Kreuz herab hat dir dein Sohn auch sie alle anvertraut. Sei bei ihnen in ihren
Zellen und Folterkammern. Zeige dich ihnen. Reiche ihnen deine mütterliche Hand. Schenke ihnen dein mitleidendes Herz und lege in ihrem tiefsten Leid ihre Hand in die Hand deines Sohnes.
Komm, Mutter, hilf ihnen nie zu vergessen, dass selbst die tiefste Nacht und der dickste Fels es nicht vermögen, Mutter und Kind zu trennen.
Confitemini Domino (dt: Bekennt: Der Herr ist gut!)
Abschluss
V: Die Liebe freut sich nicht über das Unrecht.
A: Sie sucht nach der Wahrheit.
V: Die Liebe hält allem stand.
A: Die Liebe hört niemals auf!
V: Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,
A: erbarme dich unser.