10. Station - Jesus krümmt sich vor Scham
Maria mit Jesus in der Tiefe schamloser Entwürdigung
V: Heilige Maria, Mutter Gottes, um uns zu erlösen, hat dein Sohn sich seiner Kleider berauben lassen.
A: Nackt steht er vor aller Welt, bloßgestellt und seiner Würde beraubt, trifft uns sein fragender Blick.
V: Dankbar rufen wir deinem Sohne zu:
V: Wir beten dich an Herr Jesus Christus und preisen dich,
A: denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
V: Das Kreuz, das du auf dich genommen,
A: hat Mutterliebe mitgetragen.
Das Leiden Jesus
L 1: Der unter Schmerzen zitternde Menschensohn ist auf dem Kalvarienberg angekommen. Der Gottessohn wird präsentiert: übersät von Schwielen, Flecken und blutenden Wunden am ganzen Körper. Völlig bloßgestellt und nackt vor aller Welt, tragen ihn seine Beine nicht mehr. Er sinkt in die Knie. Soldaten fügen das Kreuz aus den von Jesus herbeigetragenen Einzelteilen zusammen.
Die zwei Seitenteile werden im Kreuzesstamm verkeilt, und das Kreuz, im Aussehen einer Gabel gleich, wird zu Boden gelegt.
Jetzt packen sie Jesus an den Armen und reißen ihn ein letztes Mal hoch. Er aber sinkt zurück auf das Kreuz. Noch ein kleiner Stoß eines Soldaten, und Jesus liegt ausgestreckt am Holz. Er wird festgenagelt und am Kreuz erhöht. – Wer weiß, wie viele der Anwesenden jetzt an sein früheres Wort dachten: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen!“
Liedruf: Misericordias Domini
Der Barmherzigkeit Gottes werde ich ewig singen.
Das Mitleiden der Gottesmutter - nach Schauungen der seligen Anna Katharina Emmerick
L 2: „Welcher Anblick für Maria! Der Marterplatz, der Kreuzhügel, das schreckliche Kreuz vor ihr ausgestreckt, die Hämmer, die Stricke, die furchtbaren Nägel und dazwischen die greulichen, fluchenden sowie trunkenen Henker hin und her arbeitend.“
Welche Marter auch für die Mutter: „Sie weiß Jesus noch lebend, sie verlangt ihn zu sehen, sie zittert.“ (AKE) Maria muss zusehen, wie ihm die Schergen den Mantel vom Leib und das Oberkleid über sein Haupt reißen. Den Rock, den Maria ihm gewebt hat, können sie ihm
nicht über den Kopf ziehen, ohne in der Dornenkrone hängen zu bleiben. So reißen sie Jesus die Dornenkrone vom Haupt, und alle Wunden beginnen erneut zu bluten. Zur gleichen Zeit “entsteht ein rötlicher, trüber Schein vor der Sonne.” (AKE) Es ist, als sei der
Himmel in Blut getaucht. Der große Kampf hat seinen Höhepunkt erreicht. Und was man sieht, ist nur wie die Spitze vom Eisberg; im Unsichtbaren toben die Mächte des Himmels gegen die Gestalten der Hölle. Schließlich reißt man Jesus auch das Lendentuch vom Leib und Jesus steht völlig entblößt und vor Scham gekrümmt vor den Gaffern. “Maria betet heftig, sie ist im Begriff, ihren Schleier abzureißen und ihn ihm als Hülle zu reichen.
Gott erhört sie, denn in diesem Augenblick stürzt ein Mann außer Atem in den Kreis und reicht Jesus ein Tuch, welches er dankend annimmt und um sich windet.“ (AKE)
Stabat Mater dolorosa
Lied nach der Melodie: Christi Mutter stand mit Schmerzen
Gebet
V: Bitte für uns, Heilige Gottesmutter,
A: dass wir würdig werden der Verheißungen Christi!
V: Erhabene Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels, du Hilfe der Christen!
V: Wir denken an unsere Brüder und Schwestern in aller Welt, denen man das feingewebte göttliche Schutzgewand ihrer Würde aufs Abscheulichste zerreißt, um sie bloßgestellt jeder unmenschlichen Zudringlichkeit auszuliefern. Grausam wie die Spitzen der Dornenkrone
Jesu sind die Absichten, mit denen man die Gedanken der Gepeinigten erschrecken und durchbohren will. Für Menschen unheilbar sind die tiefen Verletzungen, die man ihrer Seele zufügt.
Maria, lass uns mit dir bei ihnen sein. Lass uns alle Entblößten und Entstellten in ein schützendes Gewand hüllen, gewebt aus unseren heftigen Gebeten.
Confitemini Domino (dt: Bekennt: Der Herr ist gut!)
Abschluss
V: Die Liebe freut sich nicht über das Unrecht.
A: Sie sucht nach der Wahrheit.
V: Die Liebe hält allem stand.
A: Die Liebe hört niemals auf!
V: Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott,
A: erbarme dich unser.