Paulus, ehemals SAULUS

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Großstädtische Herkunft und griechische Bildung

Saulus wird als Jude in der Universitäts- und Provinzstadt Tarsus geboren. Somit besitzt er von Geburt an tarsisches und auchromisches Bürgerrecht. Er wächst dort unter jüdischer Erziehung und mit griechischer Bildung auf. In dieser freien Handelsstadt zwischen zwei Kulturen (griech.-röm./semitisch-babylonisch) lernt er das Leben mit und unter Heiden kennen. Er erlebt im hellenistisch geprägten Völkergemisch des Römerreiches, dass es keinen Unterschied gibt zwischen Juden und Heiden, Griechen und Barbaren, Freien und Sklaven. (vgl. Kol 3,1; 1 Kor 12,13). In der Stadt von hervorragender Bildung herrschen griechischer Geist und griechische Sprache, romisches Gesetz und jüdische Synagogenstrenger, hellenistische Lebenshaltung und sportliche Betätigung, orientalischer Zauber und Mysterienwesen. 

Die spätere Verkündigungssprache des Paulus wird die kultischen und wettkämpferischen Erfahrungen und Kenntnisse seiner Jugend immer wieder ins Wort bringen („Stadionläufer“, „Siegespreis“, „Triumphzug“, etc.). Auch seine sprachlichen Bilder aus dem Rechtsleben werden verraten, dass er in einer Großstadt aufgewachsen ist.

Eine Übertragung der irdischen auf die göttliche Welt erlebt er auch religiös. Er wächst – als Jude – heran, umgeben von der vorherrschenden Idee, dass es einen erhabenen Gott (Baal-Tarz, der zeusähnliche Herr von Tarsus) und einen arbeitenden Gott Sandan, der dem griechischen Herakles ähnlich war) gebe. Saulus kennt die dazugehörigen heidnischen Bräuche dieser Vegetationsgottheiten; später wird er an diese „Tod-Leben-Rituale“ (Naturrituale zum Absterben im Herbst und Neuwerden im Frühling) anknüpfen, um von daher auf Tod und Auferstehung Jesu Christi zu sprechen zu kommen. Er lernt die heidnischen Mysterien, wie z.B.der in den Isiskult der eingeweihten Priester, die sich bei den Ritualen mit dem „Himmelsgewand Gottheit“ bekleideten, um ihnen fast identisch zu werden, oder der mit dem „Fischgewand“, wenn die Gottheit unter dem Symbol des Fisches verehrt wurde. Dieses Wissen ermöglicht es Saulus, später einmal in der Sprache und mit den Symbolen der Heiden zu sprechen und diese Kenntnis zur Ubersetzung der Botschaft Jesu Christi anzuwenden (Bsp.: „Christus anziehen“).

Tarsus ist aber in mancher Beziehung auch eine konservative Stadt von sittlicher Strenge. In der Stadt des Saulus bewegen sich Frauen in der Öffentlichkeit nur verschleiert. Der Schleier ist für sie eine Art Schutz und repräsentiert die unantastbare Würde der Frau. Er vermittelt ihnen das Gefühl, dass sie durch die Macht ihres Mannes geschützt sind. Nur eine Frau, die Schleier trägt, kann Achtung erwarten. Ohne Schleier in der Öffentlichkeit zu sein, ist mehr als unanständig. Das ist Saulus gewohnt.

(vgl. 1 Kor 1).

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