Die Steinigung des Stephanus
Ein Kampf mit Worten und Steinen
Ein unvergesslicher Tag für Saulus
Saulus ist in etwa dreißig Jahre alt, als er von Jerusalem nach Tarsus zurückkehrt. Inzwischen hatte sich das Größte und Gewaltigste ereignet, was die Welt seit ihrem Anfang je gesehen hat: die Erlösungstat von Golgotha. Bisher hat sich der hochgebildete Paulus in seinem selbstbewussten Hochmut nicht um diese galiläischen Schwärmer und ihren Anführer Jesus gekümmert. Mittlerweile aber rückt ihm die Lehre des Gekreuzigten und Auferstandenen Jesu Christus immer näher. Der Heilige Geist führt nach und nach Männer und Frauen zu ihm, die in Jerusalem das erste Pfingstfest mit all seinen Wundern erlebt haben (vgl. Rom 16,7ff.). Er hört, dass die Lehre des Nazoräers immer lauter werde und die Anhängerzahl stetig wachse. Joseph von Cypern, ein Studienfreund, sei inzwischen auch ein Nazoräer geworden und nenne sich jetzt Barnabas.
Man sagt ihm, der Tote sei noch gefährlicher als der Lebende. Darauf hin wird Saulus wütend und beschließt gegen diese neue Sekte vorzugehen. Er macht sich auf den Weg nach Jerusalem. Dort ist ein von ihm nicht zu unterschätzender Gegner namens Stephanus bekannt und in seinem Zeugnis kraftvoll geworden.
In der Synagoge der Zilizier treffen die zwei größten Geister der sich formierenden jungen Kirche aufeinander: Stephanus auf dem Podium in der Mitte der Versammlung und Saulus in der Tür.
Stephanus hat die pharisäischen Spitzfindigkeiten zum Gesetz satt. Er leitet aus den Texten der Propheten her, dass der erwartete Messias leiden und sterben müsse und dass der gekreuzigte Jesus der von Jesaja geschilderte leidende Gottesknecht ist.
Für Saulus ein unerträglicher und undenkbarer Gedanke. Ein Leidender, ein Sklaventod, ein am Schandpfahl Gekreuzigter der Messias!?- Niemals.
Im Wortgefecht kann Saulus dem Stephanus nicht standhalten und ihm nur das buchstabentreue Wort des Gesetzes entgegenschleudern. Die Auseinandersetzung eskaliert. Stephanus erhebt irgendwann die Anklage: „Gesetz und Tempel sind nur eine vorübergehende Etappe in der Heilsordnung!“ Damit sind die gläubigen Juden an einer sehr empfindlichen Stelle getroffen und unzählige Fäuste erheben sich gegen Stephanus.
Er legt nach: „Ihr seid seine (Jesu, des Messias) Verräter und Mörder geworden!“ Das musste zu seiner Verurteilung führen. Paulus, der als Schriftgelehrter zum Hohen Rat gehörte, will gerade abstimmen, ob Stephanus schuldig sei oder nicht…