Hl. Johannes, Apostel und Evangelist

Johannes21

Johannes ist Apostel aus Liebe, und die Worte seiner Berufung durch Jesus klingen lebendig in seinem Herzen nach. Vom Tag der entscheidenden Begegnung mit Jesus an war und ist er einer der Apostel, die dem Herrn am engsten verbunden sind.
Dass er dem Herrn in einer ganz besonderen Weise am Herzen lag, findet seinen Ausdruck darin, dass Johannes in seiner Niederschrift des Evangeliums immer von einem Jünger spricht, „den Jesus liebte“.
Damit umschreibt er zurückhaltend seinen eigenen Namen. Doch in der christlichen Tradition blieb immer klar, wer dieser Jünger ist, und so bezeichnet sie Johannes als den Lieblingsjünger Jesu.
Beim Letzten Abendmahl ist Johannes der, der an der Seite des Herrn ruhte und damit der, der dem Herrn am nächsten war.
Der Hl. Lukas redet von ihm in der Apostelgeschichte, und das Zeugnis des Apostels Paulus von Tarsus bekennt ihn als einen herausragenden Mann der jungen Kirche (vgl. Gal 2,9).

Jesus sieht seine Mutter unter dem Kreuz. Und er sieht Johannes, den Apostel, den er mit tiefster Liebe beschenkt hat. Dadurch sollte Johannes auch in die Sohnesliebe hineinwachsen. Und jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, da er sich in dieser allzeit von Jesus empfangenen Liebe in einzigartiger Weise Maria zuwenden darf. Johannes übernimmt anstelle Jesu den irdischen Platz des Sohnes, um, als jüngster aller Apostel, nun liebevoll und sorgsam der Mutter Maria sein Leben lang verbunden zu bleiben.

Jetzt ist die Stunde da, von der Jesus gesprochen hat.
Und zu dieser Stunde gehört es auch, dass Jesus den Johannes hinweist auf die große Frau, die er zur Mittlerin und Mutter aller Lebenden erhebt. In seinem Sterben lässt Jesus (der zweite Adam) Maria als zweite Eva aufleuchten. Maria wird so auch zur Mutter der Kirche. – Johannes erkennt: Ohne die Mutter des Lebens wird es keine Kirche geben!

Johannes wurde am Ostermorgen zusammen mit Petrus einer der ersten Augenzeugen der Auferstehung und der Wahrheit des ewigen Lebens. Er war Zeuge der Liebe Gottes, die in die tiefste Nacht ging, um sie schließlich mit seinem Licht zu vertreiben, Zeuge einer Liebe, die jede versteinerte Verschlossenheit aufbrach und überwand. Er wurde zum Zeugen für den immerwährenden Sieg Jesu über den ewigen Tod.
Die Tücher im Grab lehrten ihn, dass sich alles, was undurchschaubar und verschleiert ist, umso klarer enthüllen und offenbaren wird, je tiefer ein Mensch sich dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn nähert und öffnet.

Fragment aus dem Buch „Johannes und Maria in Ephesus” von Msgr. Thomas Schmid

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